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Abenteuer Blue Mountains

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Außer Sydney gibt es in New South Wales natürlich noch mehr zu sehen. Gar nicht weit entfernt von der Millionenstadt und trotzdem weitestgehend unberührt liegen die Blue Mountains.

Bis jetzt sind wir nur eine richtige Offroad-Strecke gefahren – auf Fraser Island. Das wollten wir nun ändern.
Nachdem wir an unserem letzten Morgen in Sydney über die Harbour Bridge gelaufen sind, um bei endlich gutem Wetter nochmal den Blick schweifen zu lassen, fuhren wir gen Westen. Aufgrund der vorher erwähnten Staus schafften wir es erst nach Mittag aus der Stadt, doch das war nicht so schlimm, denn unsere erste Anlaufstelle, Blackheath, lag nur ca. 150km entfernt. Dort verbrachten wir noch eine Nacht, bis es losging.

Der nächste Tag führte uns dann tiefer in die blauen Berge, es gab sehr viele Aussichtspunkte, wovon einer besonders schön war. Dieser war nicht wie alle anderen von Asiaten mit Smartphones überlagert, sondern etwas abgeschieden. Ein kleiner Weg führte in 15min zu einer Schlucht, die einen unfassbar schönen Ausblick über die bewaldeten Berge gewährte. Für einige Minuten saßen wir einfach schweigend dort und genossen die Stille nach der hektischen Großstadt.

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All diese Aussichtspunkte waren über eine Schotterpiste zu erreichen, die natürlich kein Problem für unser Auto (es heißt übrigens Paul) darstellten. Da alles so glatt lief und wir schneller waren als erwartet, entschieden wir, noch am selben Tag die Offroad-Strecke anzufangen. Irgendwie hätte uns dämmern müssen, dass alles zu glatt lief…

Besagte Offroad-Strecke war die ersten Kilometer sehr einfach, wir konnten im normalen Straßenmodus fahren (für alle die es nicht wissen: ein 4-wheel-drive hat neben der normalen Gangschaltung noch einen zusätzlichen Schaltknüppel. Mit diesem kann man zwischen 3 verschieden Modi wählen. H = normale Straße, gute Verhältnisse, HL = schwierige Straßenverhältnisse, LL = Offroad, Durchdrehen der Räder wird verhindert).
Einige Kilometer später sah es schon etwas anders aus, weshalb wir in HL weiterfuhren.
Bis dahin war alles kein Problem, doch dann lag eine Flussdurchquerung vor uns. Wie empfohlen hatten wir uns vorher beim Rangerbüro informiert, ob die Strecke passierbar ist. Die Frau am Schalter meinte, mit unserem Auto wäre kein Problem, doch wir sollten aufpassen, da ein wenig Regen vorhergesagt war.
Beim Fluss angekommen, wollten wir in LL schalten, da es hinter dem Fluss sehr steil hochging (bestimmt 45°) und das Auto in diesem Modus verdoppeltes Drehmoment hat.

Ich weiß, dass Malte alles was folgt etwas weniger dramatisch fand, doch mein Herz blieb einige Male kurz stehen (was man auch an der Kameraführung sieht).
Wir wollten also in LL schalten, doch irgendwas stimmte nicht. Der Schaltknüppel ließ sich keinen Millimeter in die richtige Richtung bewegen. Das allein ließ die Spannung natürlich schon steigen und als sich auch nach mehreren Versuchen nichts tat, legte sich Malte, nach der Geschichte mit dem Ast, schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage unters Auto. Dort war keine Veränderung oder Beschädigung zu sehen, doch wir ahnten schlimmes.
Wohl oder übel mussten wir nun in HL den Fluss durchqueren, denn auch zurück hätten wir es ohne LL nicht geschafft. Die letzten paar Kilometer war es seeehr steil bergab gegangen.

Also watete ich durch den Fluss um eventuelle Unebenheiten zu erkunden und räumte am anderen Ufer alle spitzen und großen Steine aus dem Weg. Dann ging es los.

Durch den Fluss selber zu fahren war für Malte kein Problem (ich beobachtete das ganze Spektakel von oben), doch dann kam das Ufer. Im ersten Versuch kam er nur wenige Meter, bis ein Vorderrad komplett durchdrehte und er keinen Zentimeter weiter kam. Er ließ sich wieder zurück in den Fluss rollen und nahm Anlauf für den zweiten Versuch. Der Motor fing an zu heulen, als das Gaspedal komplett durchgedrückt wurde, diesmal kam er ein Stück weiter, bis alle Räder durchdrehten. Mein Herzschlag stockte erst und beschleunigte sich dann auf doppelte Geschwindigkeit, denn im ersten Moment sah es so aus, als würden wir es wieder nicht schaffen.
Doch irgendwie, mit einer Drehzahl von über 4000 und rauchenden Vorderrad schaffte Paul es nach oben.
Puh, erstmal durchatmen.

Laut Karte war der nächste Campground nicht sehr weit entfernt. Was auf der Karte nicht zu sehen war, war dass es dort hin weiter so steil nach oben ging. Obwohl das Gaspedal öfter durchgedrückt war, schafften wir es über die meisten Kuppen nur im Schneckentempo und es war ein gepresstes „komm schon, komm schon“ von meiner Rechten zu vernehmen.
Als wir endlich am Campground waren und unser Zelt aufgebaut hatten fragten wir unsere einzigen Nachbarn um Rat, doch da sie ihren 4-wheel-drive auch erst seit kurzen besaßen, hatten sie keine Erfahrung mit solcherlei Problemen.
Wenige Zeit später kam ein anderes Auto vorbei, unsere Nachbarn schickten den Fahrer gleich zu uns. Dieser meinte, wir sollten versuchen das Auto ruckartig immer wieder ein kleines Stück vor und zurück zufahren um verklemmte Teile zu lösen. Funktionierte nicht.

Dass es am nächsten Morgen statt der angekündigten kleinen Schauer vier Stunden lang regnete, ließ vorallem meine Laune und meinen Mut in den Keller sinken. Der Kowmung Fire Trail, auf dem wir uns befanden ist eine Schönwetter-Strecke und es wird dringend abgeraten diese im Regen zu befahren.
Also, was haben wir? Ein Auto, das nicht mehr in LL fahren kann, steile Hänge, die auch schon in trockenem Zustand in LL befahren werden sollten und eine ganze Menge Wasser auf dem Boden. Genau nach meinem Geschmack…nicht.
Naja, irgendwie haben wir es geschafft, dabei ist alles Mögliche quer durchs Auto geflogen und gegen Mittag waren wir, einen Tag früher als erwartet, zurück in der Zivilisation.
Ein Blick auf die Karte zeigte uns, dass wir nicht weit von Canberra, Australiens Haupt- und langweiligsten Stadt entfernt waren.
Die Stadt, die irgendwann einfach mal so gebaut wurde, weil Melbourne und Sydney sich nicht einig werden konnten, war nur noch 80km entfernt und obwohl es nicht geplant war, statteten wir ihr einen Besuch ab.

Schon die Einfahrt in das Australian Capital Territory war langweilig. Drei Spuren pro Richtung, schnurgeradeaus, links und rechts Bauten aus den Siebzigern, einige Bäume, fast nichts los.
Einzig spektakulär war die Ansicht auf das Parlamentshaus auf das die Straße zuführt.
Die Besichtigung war kostenlos, weshalb wir uns mal den Spaß machten. Aber auch dort, wie schon außen, war alles symmetrisch, steril und irgendwie nicht schön anzusehen. Die Klos waren gut.
Das war‘s fürs erste. Wir hängen leider etwas hinterher mit den Blogartikeln, aber demnächst erfahrt ihr, was mit dem Auto los war und was wir sonst noch so getrieben haben.

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  1. Wenn zwei eine Reise tun, dann können sie was erleben…
    Das ist ein toller Beitrag mit tollen Bildern plus Videos, man kann sich das blühend vorstellen, wie aufregend das war! ;-)

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